Vor 50 Jahren: Die legendäre Pacific-Fahrt
Zusammenfassung der Teil-Beiträge 1 bis 5
von Ulrich Budde, Helmut Dahlhaus, Stefan Donnerhack, Michael Fischbach und Reinhard Gumbert

Um ein längeres Scrollen zu vermeiden, können die einzelnen Teilbeiträge auch direkt angesteuert werden:

  • Teil 1 Düsseldorf Hbf - Unna
  • Teil 2 Werl - Paderborn, Einfahrt
  • Teil 3 Paderborn, Bahnhof und Bw
  • Teil 4 Paderborn - Altenbeken
  • Teil 5 Altenbeken - Georgsmarienhütte - Hamm - Köln Hbf

Vor 50 Jahren: Die legendäre Pacific-Fahrt – 1/5: Düsseldorf - Unna
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn", Ulrich Budde, vom 02.03.2019


Genau heute vor 50 Jahren fand die große Pacific-Rundfahrt statt, die allen, die daran teilnehmen konnten, sicherlich unvergesslich ist. Diese Fahrt setzte in jeder Beziehung neue Maßstäbe und war, rückblickend betrachtet, auch nur in der Bundesbahnzeit in dieser Form machbar.

Bereits vor 10 Jahren hat Reinhard Gumbert, zusammen mit Helmut Dahlhaus (03 1008), Stefan Donnerhack (Donni) und Michael Fischbach, dieses denkwürdige Ereignis mit einer vierteiligen Beitragsserie im HiFo gebührend gewürdigt; eine kleine Serie, zu der auch ich später dazu gestoßen bin. Abgesehen davon, dass diese Beiträge nach so langer Zeit sicher nicht allen HiFo-Usern präsent sind, sind die Bilder in diesen Beiträgen größtenteils auch nicht mehr sichtbar. Grund genug für eine Neuauflage zum runden Jahrestag.

Dieses Mal ging die Initiative von Stefan aus, der uns rechtzeitig an den 50sten Jahrestag erinnerte. Da ich in dieser Runde offensichtlich der Einzige bin, der bereits den Auftakt im Bww Düsseldorf Abstellbahnhof fotografisch festgehalten hat, wird mir jetzt die Ehre zuteil, den ersten Teil einer etwas erweiterten und überarbeiteten Beitragsserie zu übernehmen. Textlich stütze ich mich dabei weitgehend auf die damaligen Ausführungen von Reinhard ab:

Mit der Pacific-Rundfahrt am 2. März 1969 fand eine der großartigsten Sonderfahrten statt, die der damals noch in Wuppertal ansässige Eisenbahn-Kurier je organisiert hat. Ein langer Zug mit 11 Wagen, ein gigantischer Laufweg:
Düsseldorf - Duisburg - Essen - Hagen-Vorhalle - Schwerte - Unna - Soest - Paderborn - Altenbeken - Detmold - Herford - Osnabrück - Georgsmarienhütte - Münster - Hamm und ab hier geteilt a) mit 7 Wagen Hamm - Dortmund - Essen - Duisburg - Düsseldorf bzw. b) mit 4 Wagen Hamm - Unna - Schwerte - Hagen - Wuppertal - Köln. Dazu kam, wenn auch nicht offiziell, Bw-Besichtigung in Paderborn und "freier Auslauf" auf dem Betriebsgelände der GME in Georgsmarienhütte. Der Zug war mit über 700 Teilnehmern voll ausgelastet, kein Wunder bei diesem Programm! Die Akteure waren 001 133 und 001 199 vom Bw Paderborn, 03 252 Bw Mönchengladbach und 01 1065 Bw Rheine.

Informationen zum Fahrtverlauf erhielten die Fahrtteilnehmer wie üblich In Form eines mehrseitigen Umdrucks. In Reinhards Sammlung befindet sich noch ein Exemplar, und daraus möchte ich hier die beiden ersten Seiten zeigen.

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Das vollständige Dokument kann bei Interesse als pdf auf einer Extra-Seite aufgerufen werden.

Stefan hat noch gut in Erinnerung, wie er zur Teilnahme an dieser denkwürdigen Sonderfahrt kam. Er erzählt:
"Die Information zur Fahrt hatte meine Mutter in der Siegener Zeitung aufgeschnappt, der Fahrkartenkauf erfolgte, wie damals üblich, telefonisch bei Ferdinand Martens.
An jenem Sonntag bin ich mit kleinem Reise-Budget von Siegen aus nach Düsseldorf aufgebrochen, bis Hagen immerhin in einem von 119 001 bespannten Personenzug. Dann im Sonderzug, im Gesellschaftswagen, lagen auf einem Verkaufstisch die Hefte des Veranstalters aus: der 'EK', ich glaube, es waren die Ausgaben 11 bis 15. Ich kannte den EK nicht, war aber gleich sehr begeistert, genau die Art von Informationen, die ich brauchte, Sichtungsmeldungen, Betriebliches, alles hoch-aktuell, kaum ein paar Monate alt (in Zeiten des Internets gar nicht mehr vorstellbar). Nach eingehendem Blättern habe ich mich schließlich für die Ausgaben 13 und 15 entschieden, mehr war nicht drin bei 2,-DM pro Heft. Immerhin bin ich dann dank Unterstützung meiner Eltern seit EK16 Abonnent geworden, ein ziemlicher Meilenstein.
Nach der Pazifik-Fahrt ergab sich durch einen zufälligen Kontakt zu einem Lokalreporter der Siegener Zeitung die Gelegenheit, einen kurzen Artikel mit Bild von der Fahrt (sowie einem kleinen Bericht über diesen 'jungen Eisenbahnfreund', der für Dampfloks sogar bis nach Paderborn und Osnabrück fährt) zu verfassen, meine erste Bildveröffentlichung damals.
"

Reinhard war dagegen schon am Vortag mit Freunden aus Frankfurt angereist: Zunächst zur Visite ins Bw Köln-Eifeltor – siehe Bericht Vorwoche. Und dann ein langer Abend mit Freunden aus der EK-Truppe in Wuppertal, der mit Nachtaufnahmen im Bw Vohwinkel erst morgens gegen 3 Uhr endete. Nach verflucht kurzem Tiefschlaf in der Bw-Übernachtung wieder aus den Federn und los nach Düsseldorf, wo der Sonderzug schon früh bereitgestellt wurde.

Auch für mich war's eine kurze Nacht. Als "EK-assoziierter" Eisenbahnfreund aus der Wuppertaler Szene war ich im Besitz einer Freifahrkarte; dafür half ich gerne mit bei der Aufrüstung und insbesondere beim Beladen des Gesellschaftswagens. Das aber hieß: Unchristlich frühes Aufstehen, Fahrt mit Freunden nach Düsseldorf zum dortigen Bww und Kästen und Kisten schleppen.

Dabei ist uns nicht die Ankunft der Zuglok entgangen, die im aller-aller-ersten Büchsenlicht an den Zug setzte. War das Licht schon, oder besser gesagt, noch grausig schwach, der eigentliche Schock war die neue Nummer: 001 133-8, und das bei einer Sonderfahrt für Eisenbahnfreunde! Aber sei's drum, an diesen Zustand musste man sich mehr als ein Jahr nach Einführung der neuen Nummern so langsam gewöhnen.

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Bild 1.1
Zuglok 001 133 vom Bw Paderborn beim Eintreffen im Bww Düsseldorf Abstellbahnhof.

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Bild 1.2
001 133 setzte sich sogleich vor den Zug und heizte schon einmal kräftig ein, schließlich herrschte am Morgen des 02. März noch frostiges Winterwetter.

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Bild 1.3
Nach einiger Zeit kam auch die angekündigte Vorspannlok in Gestalt der 03 252, Bw Mönchengladbach. Schön, wenigstens die trug noch ihre alte Nummer.

Erst heute fällt mir auf, wie leer der Tender war – gab's in MGladbach schon keine Kohlen mehr oder wollten die sich etwa bis Paderborn von der 01 schieben lassen? ,-))

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Bild 1.4
"Watt is en Dampfmaschin?" Diese rhetorische Frage von Professor Bömmel in der Feuerzangenbowle beantwortet 03 252 auf ihre Weise beim Andrücken an die Zuglok 001 133. Natürlich existiert auch ein Bild aus dem gleichen Blickwinkel, auf dem beide Maschinen ohne Dampf-Verschleierung zu sehen sind, aber dieses hier erscheint mir dynamischer.

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Bild 1.5
Etwas mehr von der Seite bot sich dieses Bild auf die beiden Hochhaxigen vor unserem Sonderzug, 001 133 und 03 252. Man beachte auch den auffallend unterschiedlichen Füllungsgrad des Kohlenkastens der beiden Maschinen.

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Erstaunlicherweise habe ich im Abstellbahnhof kein Bild gemacht, auf dem der Zug in voller Schönheit - sprich Länge - zu sehen ist. Das kann nur bedeuten, dass dieses nicht möglich war, wobei Betriebsgleise damals kein Hinderungsgrund waren; siehe Fotohalte Werl und Paderborn in den Folgebeiträgen.

Bild 1.6
Pünktlich rollt der ellenlange Sonderzug, bespannt mit 03 252 und 001 133, in Düsseldorf Hbf an den Bahnsteig, erwartet von Helmut Dahlhaus, der sich rechtzeitig an der südlichen Bahnsteigspitze einen Logenplatz ergattert hatte.

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Bild 1.7
Ein knackiger Spurt ans andere Bahnsteigende ermöglichte ein weiteres Foto (Aufnahme: Helmut Dahlhaus).

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Bild 1.8
Während Helmut farbig fotografierte, hatten Reinhard und ich einen schwarz/weiß-Film in der Kamera. Der Fotografen-Kopf unten links im Bild deutet an, wie dicht das Gedränge hier war. Und zudem war Eile angesagt, denn schließlich musste man noch auf den anderen Bahnsteig, um in den Sonderzug einzusteigen.
03 252 und 001 133 in Düsseldorf Hbf am 02.03.69. (Aufnahme: Ulrich Budde)

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Bild 1.9
In Duisburg-Großenbaum wurde die Überholung durch den D1035 für einen ersten Fotohalt genutzt. Durch den günstig gelegenen Bahnsteigtunnel gelangte die Meute der Fotografen problemlos auf die Bahnsteig-abgewandte, fotogenere Seite des Zuges, wo der Zugang zum örtlichen Stellwerk einen passenden Fotostandpunkt bot. Aber der lag direkt am Gleis der Fernbahn, die damals mit max. 160 km/h befahren wurde. Zum Glück kam gerade kein Zug und alle haben's überlebt, auch der Stellwerker und das Zugpersonal ;-))
Zunächst die Aufnahme von Helmut in Farbe ...

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Bild 1.10
... sowie das identische Motiv als s/w-Foto von mir.

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Bild 1.11
Die elegante Pacific mit fast perfekter Stangenstellung in Gestalt von 03 252 war mir ein weiteres Foto wert.
Pacific Sonderfahrt, Duisburg-Großenbaum, 02.03.69. (Aufnahme: Ulrich Budde).

Und wo bleibt Reinhard? Kein Bild von ihm?? – Ach ja, sein Abend zuvor war ja ausgedehnt und feucht-fröhlich ...

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Bild 1.12
Bei der Einfahrt nach Essen konnte 104 020 aus dem fahrenden Zug abgelichtet werden. Zwar war mir als EK-Abonnent seit Heft 5/67 die Stationierung einiger Altbau-Ellok im Westen bekannt, aber ein ungewohntes Bild war es noch immer. Ungewohnt auch das Umfeld des Essener Hbfs - wäre nicht der Hektometerstein im Vordergrund ein untrüglicher Beweis, könnte ich das Bild aus meinem heutigen Heimat-Bahnhof nicht einordnen.

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Bild 1.13
Ab Hagen besserte sich das Wetter zunehmend und veranlasste zahlreiche Fotografen zu einem Bild am Zug entlang auf die beiden Pacifics an der Zugspitze. Bei Hagen-Hengstey ist auch Reinhard wieder hellwach und drückt genau im richtigen Moment auf den Auslöser, um das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Hohensyburg hoch oben auf dem Berg im Hintergrund ins Bild zu kriegen.
Und nein – keiner der wagemutigen Fans hat die Balance verloren und seine Mitfahrt vorzeitig auf dem Schotter beendet.

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Bild 1.14
Nur wenig weiter in den Syburger Ruhrauen vor Westhofen hielt auch Helmut Dahlhaus das Geschehen fest, und zwar ziemlich genau an der Stelle, an der er noch 2½ Jahre zuvor 03.10 im Plandienst aufgenommen hatte (von der anderen Seite – siehe 03.10 – Die Legende lebt, Bilder 38 und 39).
Das Gewässer rechts der Gleise ist übrigens nicht die Ruhr, sondern lediglich ein durch Schneeschmelze und Regen gut gefüllter Tümpel in den Ruhrauen.

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Bild 1.15
Der kurze Halt in Unna wurde für ein weiteres Foto des Sonderzuges genutzt. Wieder war das Gedränge groß und der Platz knapp, aber das Bahnhofsschild passt trotzdem mit ins Bild.
(Aufnahme: Ulrich Budde)

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Damit möchte ich es für den ersten Teil bewenden lassen. In Kürze geht es weiter mit dem spektakulären Fotohalt in Werl und der Weiterfahrt bis Paderborn.

Vor 50 Jahren: Die legendäre Pacific-Fahrt – 2/5: Werl - Paderborn
Beitrag im DREHSCHEIBE Forum "Historische Bahn", Reinhard Gumbert, vom 06.03.2019


In Teil 1 dieser Serie berichtete Ulrich Budde von der Bereitstellung des Sonderzuges in Düsseldorf Abstellbahnhof und der Fahrt von dort bis Unna. Ihr erinnert Euch – Vor 50 Jahren: Die legendäre Pacific-Fahrt – 1/5: Düsseldorf - Unna.

Ulrich, Helmut "03 1008" Dahlhaus, Michael Fischbach und Stefan "Donni" Donnerhack waren mit mir dabei, wenngleich wir uns unter den zahlreichen Mitfahrern weder im Zug noch bei einem der Fotohalte trafen. Heute, 50 Jahre später, berichten wir gemeinsam von dieser Fahrt, basierend auf dem HiFo-Bericht zum 40. Jahrestag vor 10 Jahren.

Thema dieses Teils 2 ist der Abschnitt von Werl bis Paderborn.

Nächster Halt nach Unna, wo Ulrichs Teil 1 endete, war nun der Fotohalt Werl. Wer damals dabei war, wird "Werl" nicht vergessen: Seit dem letzten "richtigen" Fotohalt in Duisburg-Großenbaum von 9.06 bis 9.22 Uhr - siehe Bilder 1.9 und 1.10 in Teil 1 - waren schließlich schon über zwei Stunden vergangen. So lag der Gemütszustand der artigen, sprich: vorschriftstreuen Mitfahrer, die seitdem den Zug nicht mehr verlassen hatten, inzwischen irgendwo zwischen hippelig und süchtig: "Endlich wieder 'raus, an die beiden Loks!" Dazu lockte auch noch die Sonne aus voller Kraft und sogar auf der "ichtigen Seite" - ein Bilderbuch-Fotohalt!

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Bild 2.1
Die ersten Mitfahrer waren schon ausgestiegen, doch noch war's ruhig und friedlich in Werl, als ich aus dem Zug auf den Schotter sprang und – "Tür nochmal zu da oben!" – schnell auf den Auslöser drückte: "Sicherheitsbild"! ... wenn auch nur von hinten, ganz egal, wer weiß, ob man bei zu Hunderten zählenden Mitfahrern nochmal gescheit zum Schuß kommt ...

Zu recht das "Sicherheitsbild": Wenig später, bis ich nach vorne geeilt war, hatte sich hinten schon heftiges Gedränge aufgebaut...

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